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Vier Werke vergessener Schriftstellerinnen
Newsletter März

Hallo zusammen,

Der März stand ganz im Zeichen des indiebookdays. Am 30. März wurden überall Bücher aus unabhängigen Verlagen gefeiert und prominent vorgestellt. Als Blog der sich nur mit den Büchern der unabhängigen beschäftigt, konnte ich mich da natürlich nicht lumpen lassen. Um eine wichtige Funktion von unabhängigen Verlagen zu zeigen, hatte ich mich entschieden, vier Werke vergessener Schriftstellerinnen zu thematisieren. Alle vier Werke haben gemeinsam, dass sie seit mindestens 70 Jahren nicht mehr erhältlich waren (eines sogar noch nie). Den langen (5000 Wörter) Beitrag dazu gibt es hier.

Konkret holt der Homunculus Verlag mit “Requiem” von Gutti Alsen und “Der Tod des Löwen” von Auguste Hauschner zwei Werke jüdisch-deutscher Schriftstellerinnen hervor, die vielleicht auch wegen ihren geografischen Lebensmittelpunkten (Königsberg und Prag) vergessen gegangen sind. Der Weidle Verlag übersetzt mit “Flügel in Flammen” das Gesamtwerk von Dagny Juel und macht die norwegische Autorin zum ersten Mal überhaupt auf Deutsch zugänglich und die Edition Atelier legt den 1948 erschienenen Exilroman “Die dunklen Jahre” von Friederike Manner neu auf. Wer sich diese vier Werke (oder vorerst auch nur eines) zur Brust nimmt, der wird, so behaupte ich, keine Sekunde an der Bedeutung des jeweiligen Werkes zweifeln. “Requiem” ist ein expressionistisches Meisterwerk mit erstaunlich modernen Zügen, “Die dunklen Jahre” einer der bedeutendsten Exilromane über die NS-Zeit, “Der Tod des Löwen” einer der grossen Prag-Romane und das Gesamtwerk Dagny Juels schlussendlich, ein viel zu kurzes Gesamtwerk, das nicht vergessen gehen sollte.

Neben diesen vier Werken haben im März natürlich auch noch ein paar andere Werke Rezensionen erfahren. Gestartet hat der März mit "Die untalentierte Lügnerin" von Eva Schmidt (Jung und Jung) ein Familiendrama in klarer und reduzierter Sprache. Weiter ging es mit einem sperrigen Sonettenkranz "mn ltztr krnz ei ee a" von Hartmut Abendschein (Edition Taberna Kritika), aber lest selbst. Auch "Das Testament des Zauberers Tenor" von César Aira (Matthes & Seitz) ist eines der Werke, die sich nicht sofort von selbst erschliessen.

Man mag es kaum glauben, aber auch ein Krimi hat den Weg auf den Blog gefunden. "Dein Schatten ist ein Montag" von Jung-Hyuk Kim (Cass), ein koreanischer Krimi, der sehr atmosphärisch ist und fast ausschliesslich in einem Gebäude, dem stinkenden Crocodile Building, spielt. "Imagine Africa 2060" (Peter Hammer) dann, ist ein Sammelband afrikanischstämmiger Autor*innen, die sich in Kurzgeschichten ein Afrika im Jahr 2060 vorstellen. Herausgekommen sind spannende Utopien und Dystopien.

Diesen Monat habe ich wirklich kein einziges schlechtes Buch gelesen. Alle bereits genannten sind zu empfehlen. Nebst den vier vergessenen Werken (die von ausgezeichnet bis zum Meisterwerk rangieren) sind noch zwei Romane herausgestochen: "Unser Leben in den Wäldern" von Marie Darrieussecq und "Vor der Flut" von Corinna T. Sievers. Ersterer ist eine düstere Dystopie, in welcher die Rebellen in die Wälder geflüchtet sind, Letzterer ein eindringliches Psychogramm einer Nymphomanin. Beide kann ich besten Gewissens empfehlen.

So, damit hätten wir den März in etwa zusammen. Die Verlagsliste hat auch ein paar Neueinträge erfahren und wird laufend ausgebaut.  Diesen Newsletter dürft ihr natürlich gerne weiterleiten und teilen. Für Anregungen und Fragen einfach auf Reply drücken und Gedanken hineinschreiben.

Bis bald. Lest viel und schönes!
Nick

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